Auf Dem Grund Des Kanals: Das Schmutzige Geheimnis Von Paris

Paris ist die Stadt der Liebe, der Kultur und des guten Weins… Da sind wir uns alle einig, aber Paris kann auch ein ziemlicher Moloch sein. Glauben Sie nicht? Dann gucken Sie sich mal diese Foto vom Canal Saint-Martin an. Der Kanal wurde 2001 in einer riesigen Aktion trockengelegt und gereinigt. Und an seinem Grund offenbarte sich ein ziemlich fragwürdiges Kuriositäten-Kabinett, das einige Rätsel über diese romantische Stadt aufgibt…

Canal Saint-Martin

Am 4. Januar berichtete der Guardian von dem Großprojekt, das sich über drei Monate hinziehen sollte. Aber warten Sie ab, was die Arbeiter auf dem Grund des Kanals finden sollten. Man mag es ulkig finden, und das Gefühl haben, dass die Pariser in den letzten Jahren ziemlich schräge Partys am Ufer gefeiert haben. Aber man kann auch ziemlich schockiert sein. Denn die Funde vom Saint-Martin-Kanal geben einen tiefen Einblick in unseren Umgang mit Mutter Erde. Ach übrigens, wir reden hier von Fundtsücken aus gerade mal 15 Jahren…

Alltagsszene

Für die Passanten tragen die Spaziergänge an ihren Ufern zur besonderen Atmophäre dieser Stadt bei, auch weil sich in der Umgebung viele historische Bauwerke befinden. Paläste, Gewölbe, aber auch alte Fabriken.

Sanierungsplan

Der Kanal wurde natürlich nicht aus Spaß and der Freude trockengelegt, sondern weil er dringend saniert werden musste. Ein Wahnsinnprojekt: Denn ersteinmal musste man 90.000 Kubikmeter Wasser loswerden.

Das Flussnetz besteht bereits seit mehr als vier Jahrhunderten, hat bedeutend zur Entwicklung der Handelsbeziehungen von Paris beigetragen und die Landschaft im Osten der französischen Hauptstadt geprägt.

Aus diesem Grund wurde ein gewaltiger Damm errichtet. 9,5 Millionen Euro kostete das Projekt. In vier Monaten nach der Trockenlegung sollten Arbeiter Zeit haben, die Mauern und Schleusen zu warten und zu reparieren.

Die Evakuierung der Fische

Im Kanal befand sich nicht nur Wasser, sondern auch jede Menge Fische. Für die Stadt Paris war klar, dass sie die Fischwelt unbedingt erhalten wollte. Immerhin gehören sie zur Meeresfauna von Paris.

Weil es keinen sicheren mechanischen Weg gab, die Fische aus dem Wasser zu filtern, mussten die Kanalarbeiter selbst Hand anlegen und die Fische mit weitläufigen Netzen selbst herausholen, ohne sie zu verletzen.

4,5 Tonnen zappelnde Fische

Aber was macht man mit 4,5 Tonnen zappelnden Fischen auf dem Trockenen?

Es war klar, dass sie in eine andere naturnahe Umgebung transportiert werdeb mussten.

Die große Zählung

Zielich verrückt, aber die Kanal-Arbeiter standen plötzlich vor der Aufgabe eine Volkszählung an einem ganzen Ökosystem durchzuführen. Außerdem wurden die Fische indentifiziert und gewogen. Im Kanal von Paris!

Besonders toll ist das nicht für die armen Tieren, aber die einzige Alternative, um sie zu retten. Für Schlagzeilen sorgte dabei ein Karpfen, der unglaubliche zwanzig Kilogramm wog!

Diebesgut

Mit Abstand am öftesten trieben jedoch Fahrräder am Grund des Kanals. Und zwar diese City-Bikes, welche die Stadt zur Verfügung stellt. Menschen sind seltsam.

Die Idee ist es eigentlich, sie nach Gebrauch am nächsten Terminal wieder anzuschließen. Vielleicht war hier jemand zu faul oder zu betrunken? Aber wieso muss man ein funktionstüchtiges Fahrrad in den Kanal werfen?

Picknick oder Faulheit

Die Kanalarbeiter begannen bald zu scherzen, dass sich ein ganzes Möbelhaus im Kanal befand. (Neben dem Fahrradladen.) Stühle, Tische, ja ganze Couchlandschaften wurden hier gefunden.

Verwechselten die Pariser ihren Kanal mit einem Schrottplatz? Oder hatten sich Hunderte verliebter Pärchen nach dem Picknick gestritten, und alles im Kanal versenkt? Fragen über Fragen.

Schrottplatz

Nicht nur die zugegben etwas schwerfälligen Leihräder fanden sich im Kanal, sondern auch Roller und kleine Motorräder!

Hat da jemand etwa zu stark aufs Gaspedal getreten?

Lektion für Alle

Die Trockenlegung des Kanals war ein Spektakel für Arbeiter und Anwohner. Und ja, diese Fotos sind unterhaltsam und auf gewisse Weise poetisch. Aber sie sind auch ein Denkanstoß. Sieht so die Welt unter Wasser aus?

Dieser Pariser Kanal ist wahrscheinlich nicht viel schlimmer dran, als andere Flüsse oder Meere, in der Nähe von Städten. Wenn wir nicht endlich beginnen, verantwortungsvoller mit unserer Umwelt umzugehen, wird uns nicht nur das Klima bald einen Strich durch die Rechnung machen. Und wieviel Aufwand kostet es schon, seinen Müll ordentlich zu entsorgen und im besten Fall zu recyceln?

 


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